2024: Auf Tuchfühlung/ up close and personal

Nina Radelfahr

MILCHMEER

Vernissage: 22.10., 19:30 Uhr

Laudatio: Dr. Antonia Kienberger

Radelfahr (*1978 in Hamburg) studierte in München, Kopenhagen und Carrara Kunst und Anatomie. 

Ihre aktuellen Arbeiten kreisen um Unsicherheit und Beständigkeit in der Veränderung. Die Künstlerin lebt und arbeitet in München und Dänemark. 

Nina Radelfahr beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit dem menschlichen Körper und seinen Abgründen. Transformationen von Fragilem und Festem, Potenziale im Körper, dem Meer, Berührung der Körperflüssigkeiten mit dem Meereskörper, Analogien der humanen und marinen Formen, Aufeinandertreffen, Verschmelzen, Begegnung, Erproben von Beständigkeit, sind ihre Forschungsgebiete.

Sie findet Analogien der marinen und humanen Anatomie bei ihrem Forschen nach dem allem entspringenden Ursprung. Mit Material, das teils geologische Entstehungsprozesse (z.B. Porzellan) in sich trägt oder fragil aus dem Wasser (Algen, Papier) geschöpft wird, macht sie fruchtbringende und transformierende Potenziale sichtbar.

Für den KUNSTRAUM Sigismundkapelle ist eine Rauminstallation geplant, die die sinnliche Erfahrung des Meereskörpers aufgreift und ihm mit Analogien der menschlichen Anatomie begegnet. Was wäre das Äquivalent zur Gebärmutter im Meer? 

Eine poetische, sensible Kraft vereinigt die Arbeiten, die mehr oder weniger sichtbaren Verbindungen sind der körperhafte Bezug zu Entstehung und Zeit. Es ist das Nahe, Verletzliche und das Unausgesprochene, das sie interessiert. Und es verbindet sie eine Sehnsucht nach dem Ursprung. 

Die aquarellierte Zeichnung, die mit durchscheinender Körperhaftigkeit fast eins mit dem Meer werdende Quallen zeigt, leuchtet aus der Nische und vermischt sich mit dem diffusen Licht der Kapelle, das durch die Maueröffnungen eindringt. Helle weiße Porzellanabdrücke von Quallen, die als eine der ältesten Tiere der Erde gelten, treten in einen Dialog, bilden einen Raum im Flüssigen. Der Besucher kann eintauchen in den von dicken Mauern umgebenen Raum der Kapelle und spürt die Schwere, den Druck der Meerestiefe.

Die Arbeiten nehmen Bezug zum Kapellenraum, der von unterschiedlichen Stimmungen des Lichts eine Atmosphäre der Einsamkeit, Desorientierung bildet und Sehnsucht nach Beständigkeit aufkommen lässt.

Ausstellungsdauer: 23.10.-16.11.

Ein ausführliches Statement zu den Arbeiten der Künstlerin finden Sie hier.

Marlies Bartl und Heike Drescher

NAHEZU INNEN

Vernissage am Galerienabend, 21.09. um 18:30 Uhr

Laudatio: Dr. Helmut Groschwitz

Hier finden Sie das Programm des Galerienabends

Der Titel der Ausstellung „nahezu innen“ bezieht sich auf einen wichtigen Aspekt der Arbeiten, der beide Künstlerinnen verbindet: verborgene, innere Anteile des Menschen – Strukturen, Verbindungen, Zusammenhänge –  zu erfassen, durch den Arbeitsprozess zu klären, zu verstehen und sichtbar zu machen.

Marlies Bartl arbeitet dazu in ungegenständlichen Bildern, bei denen Farbe und Form in einem oftmals längeren Prozess des Übermalens und Überlagerns zueinander finden und so zu Einheiten, Gefügen oder „Formpersönlichkeiten“ werden. Die Beziehungen, die so entstehen ähneln inneren Beziehungen, manchmal undeutlich, manchmal klar, mal leuchtend, mal trüb, mal dicht aufeinander gedrängt, mal weiter entfernt.

Heike Drescher nimmt in ihren figürlichen, langsam per Hand bearbeiteten Steinskulpturen den Menschen in seinem Wirken und seinen Gefühlen in den Blick. Mit reduzierten Formen und Fragmenten, den bewusst rau gelassenen Oberflächen und zusätzlichen Materialien, wie z.B. Draht, erzeugt sie Spannungen und Mehrdeutigkeiten in ihren Figuren. So verweist sie auf die Vielschichtigkeit unseres Erlebens und unserer Erfahrungswelten

Ausstellungsdauer: 18.09. bis 12.10.

Ausstellungsinfo zum Download

Veronika Zubek Kocourková

everyone is unique

Vernissage: 13.06., 19:30 Uhr

Die Ausstellung mit dem Titel „everyone is unique“ wurde von Veronika Zúbek Kocourková, einer Künstlerin aus der Slowakei, die inzwischen in Regensburg lebt, als Begleitveranstaltung zum Pride-Monat 2024 für den KUNSTRAUM Sigismundkapelle konzipiert.

Die Idee für dieses Projekt in Zusammenarbeit mit Queeres Regensburg e.V. wurde geboren, als die Künstlerin nach Deutschland zog. Sie begann, die Unterschiede in der Wahrnehmung von queerem Leben in verschiedenen internationalen Städten zu registrieren. Auch wenn die Entfernung manchmal nicht so groß ist, so sind die Unterschiede in Bezug auf soziale Aspekte, Gesetze und Rechte doch von Land zu Land enorm. 

Die Bilder in der Ausstellung sind im Grunde Porträts von Menschen, die man überall treffen kann. Menschen waren für Veronika Zúbek Kocourková schon immer Inspiration beim Schreiben von Geschichten und in ihrer künstlerischen Arbeit. Sie unterhält sich sehr gerne und lernt Menschen kennen. Sie folgt dem Leben. Sie genießt es tiefgründige Diskussionen zu führen, Ansichten über die Welt zu teilen, aber sie beobachtet auch unterschiedliche Kleidungsstile. So wie wir sind, wenn wir einfach wir selbst sind. Einfache Alltagsgegenstände verwandelt sie in surrealistische Symbole. Jeder wird und darf in ihren Arbeiten etwas Anderes sehen. Denn die Dinge, die man sieht, sind ein Spiegelbild dessen, was im Kopf des Betrachters vor sich geht. Was passiert, was sich verwandelt, was wir fühlen, wer wir sind, was wir essen, was wir tragen, wen wir lieben und wer uns liebt - all das macht uns aus. 

Teil der Ausstellung ist auch die Möglichkeit für die Besucher/-innen, an diesem Prozess teilzuhaben. Sie können über ihre Gefühle in ihrem Körper, in ihrer Stadt, in ihrem Land schreiben. Denn, indem wir uns in das Leben der anderen hineinversetzen, lernen wir mehr übereinander. Ganz im Sinne des Jahresthemas im KUNSTRAUM Sigismundkapelle, gehen wir „Auf Tuchfühlung“. Wir lernen zu respektieren, dass jeder Mensch einzigartig ist.

Ausstellungsdauer: 14.06.-29.06.

Ein Projekt im Rahmen des Pride-Monats

In Zusammenarbeit mit Queeres Regensburg e.V.

Veronika Kocourková (veronikakocourkova.com)

Stefan Schindler

DAS NEUE VOLK

Vernissage: Di, 14.05., 19:30 Uhr

Einige der vorwiegend in Eichenholz gearbeiteten Skulpturen des Nürnberger Holzbildhauers Stefan Schindler im KUNSTRAUM Sigismundkapelle zeigen eine Art „Kopfbedeckung“, die an eine Krone oder an Antennen erinnert. Gerade diese Antennen für ein anderes Bewusstsein, besitzen viele Angehörige dieses "neuen Volkes".

Die Figuren, man kann schwer bestimmen, ob sie weiblich oder männlich sind, sind noch in kokon-ähnlichen Gewändern verpuppt oder eingehüllt. Sie befinden sich also in Entwicklung.

Aber das Wichtigste, eben jene Antennen, die aus ihrem Innern kommen, haben sie bereits ausgebildet.

Die Skulpturen zeigen den Zustand des Phönix, der, bereits zur Asche zerfallen, darauf wartet, sich wieder zu erheben. Also den Zustand zwischen "Kreuzigung" und Auferstehung.


Ausstellungsdauer: 15.05. bis 08.06.
www.stefanschindler.com

Zur Ausstellung

Christine Tanqueray

Goodbye Küche

Vernissage: Dienstag, 09.04., 19:30 Uhr
Ausstellungsdauer: 10.04. bis 03.05.

In ihrer Installation “Goodbye Küche“ zeigt die Münchner Künstlerin Christine Tanqueray eine Arbeit, die eine letzte Transformation ihrer früheren Arbeiten HA-HA Küche, Nonversation und Sanzelize ist.

Christine Tanqueray (geboren in München) arbeitet mit Zeichnung und Rauminstallationen. Licht, Text und Sound, formale Elemente und Textfragmente aus Werbung und Unterhaltungskultur werden von ihr zu Inszenierungen arrangiert, in denen der formalästhetische Eindruck im spannungsvollen Widerspruch zur textlichen Ebene steht.

HA-HA, ein Schriftzug aus gelbem Neonlichtglas leuchtete immer wieder in Christine Tanquerays Arbeiten. Das erste Mal bei einer fingierten Cluberöffnung in München (Sanzelize), dann im Nebel (Nonversation) und während der Pandemie in der Kunsthalle Lothringer 13 in München.

Inspiriert zu dem HA-HA Schriftzug wurde sie von einem Comicstill aus Daniel Clowes Mister Wonderful. Hier betritt eine Frau, die über Jahre mit ihrem Mann versuchte ein Kind zu bekommen ihre Küche, ein großes gelb leuchtendes HA-HA knallt ihr entgegen. Ihr Mann hat sie verlassen, weil er mit einer jüngeren Frau ein Kind bekommt.

Christine Tanquerays Neoninstallation HAHA visualisiert verschiedene Affekte von Spannung, Ernüchterung, Erkenntnis bis zu Erheiterung. Die Arbeit verweist auf Diskrepanzen zwischen Erwartungshaltungen und (struktureller) Realität. Die zufällige Nähe der bereits 2015 entstandenen Arbeit zu der 2020 geprägten Merkformel AHA (Abstand, Hygieneregeln, Alltagsmasken) für die Alltagsregeln zur Eindämmung der Pandemie verstärken das assoziative Spektrum und schlagen den Bogen zum Jahresthema.

Im Kunstraum Sigismundkapelle zeigt Christine Tanqueray HA-HA ein letztes Mal, transformiert zu Holz und reduziert auf das leuchtende Gelb. 

Mit der Transformation von HA-HA Neonlicht zu Holzelementen, tritt die Künstlerin bewusst in Kontakt zu ihren neuen, inneren Themen des Loslassens und der Frage „Was kommt als Nächstes“? - Sie kommt dieser Fragestellung durch das neue Material näher: Endlich verwurzelt mit der Erde, verarbeitet und angenommen, wie Schicksale eines menschlichen Lebens. Loslassen, radikale Akzeptanz und dadurch eine tiefe, neue Umarmung, ein großes Ja.

Mehr zu Christine Tanqueray

Pressemitteilung zur Ausstellung

Upcycling Unlimited by LORY.LIBERTY

Aktionstag: Freitag, 22.03. ab 16:30 Uhr
https://www.instagram.com/lory.liberty/

Upcycling Unlimited

Lory.Liberty im KUNSTRAUM Sigismundkapelle

Upcycling Unlimited ist die Auftaktveranstaltung für die Ausstellungsreihe „Auf Tuchfühlung/ Up close and personal 2024“ im Kunstraum Sigismundkapelle. 

Anschließend, am 09.04., wird die erste Ausstellung zum Thema mit Christine Tanqueray eröffnet.

Das Label Lory.Liberty wurde 2023 in Goa, Südindien, gegründet. Die Kollektion ist zweigeteilt: geschneiderte Gewänder aus indischen Tüchern sowie bemalte, upcycelte Kleidung, die nicht selten in Live Paintings entsteht. Hierzu trifft die Designerin Künstler/-innen, gibt Workshops oder tourt auf Festivals und macht Vorher-Nachher-Videoaufnahmen. 

Im Frühjahr 2022 wurde Lory Teil der Kunstszene Fuerteventuras und begann den Verkauf von Vintagekleidung. Bald verschönerte sie einfarbige Materialien und Secondhandkleidung wurde zu ihrer Leinwand. Fortan wechselte sie zwischen unterschiedlichen Techniken: Graffiti, Kreide, Textilstifte, Acrylfarbe, Bleichmittel, Gabel, Schablonen uvm.

Die Autodidaktin arbeitet mit internationalen Musizierenden und Models, ihre Kunstkleidung verbindet Menschen unterschiedlicher Herkunft. Die Bedeutung ihrer Kleidung kommt oft erst durch das Tragen zum Vorschein. 

Der professionelle Werdegang der 1995 geborenen deutsch- nomadischen Künstlerin begann während ihres Literaturstudiums an der Freien Universität Berlin. Die Menschen und Geschichten erweiterten ihr Weltbild. Ihre Heimat Regensburg besuchte sie in regelmäßigen Abständen.

Während ihres Studiums hatte sie die Möglichkeit, in Irland und auf den Philippinen zu leben. Keltische und weitere ethnische Prints sowie diverse Märkte auf den Inseln prägten ihr scharfes Auge für Design und mit jeder neuen Reise erweitert sie die Kollektion. 

Im KUNSTRAUM Sigismundkapelle werden ihre Eindrücke in europäischen und orientalischen Mustern präsentiert.

Lory wird live malen oder Spezialanfertigungen umsetzen. Wer möchte, kann in eine bunte Welt der Farben eintauchen und sich für einen Tag wie ein Star fühlen. Die Gewänder sind zum Probieren da. Oder auch selbst malen. Sie können Kleider mitbringen!

ab 25.03. im Degginger:
https://www.degginger.de/events/upcycled-urban-by-lory-liberty