Green Star – Auf der Suche nach Utopia

Eine A-r00m Online-Ausstellung

Texte, Bilder sowie Links verfasst und zusammengestellt von Max. D. Well

Hätte man noch vor kurzer Zeit vorgeschlagen den Flugverkehr lahmzulegen, die überwiegende Produktion der deutschen Wirtschaft herunterzufahren oder die Orte der Begegnung und Kultur vollständig zu schließen, wäre einem entgegnet worden, dass dies vollkommen utopisch sei. Und so wirkte dann tatsächlich auch vieles nach dem Ausbruch des Corona-Virus – utopisch!

Die Luft in den Städten bekommt für kurze Zeit eine „neue“ Qualität, Fluglärm ist wie vom Himmel weggeblasen und anstelle des geschäftigen Lebens in den Innenstädten herrscht gähnende Leere. Wir hören wieder Vögel singen, die nicht mehr gegen den menschengemachten Dauerton ansingen müssen und die Tier- und Pflanzenwelt erobert sich Bereiche zurück, die ihnen sonst von vornherein durch Effizienz und Geschäftigkeit der Menschen verweigert werden.

Aber in unerbittlicher Schärfe zeigt die Krise auch die Risse im System auf. Gesellschaftliche Schieflagen, soziale Missstände und Ungleichheiten, Abhängigkeiten bis hin zu schlechten Gewohnheiten und Usancen. Das Utopische birgt für die Gesellschaft dystopische Erfahrungen. Man hört sagen, dass das Beispiellose, das Unerwartete, das Unvorstellbare eingetroffen sei. Oder lediglich eine Störung in unserer schönen, neuen Welt – a disruption in our brave new world?

We all. Can you?

Imaginäre Videoinstallation

Video ::: Green Star :: We all know it but we can’t see it! … orientation …

https://youtu.be/l-qKuv5NqUw








Video ::: Green Star :: Can you see it? … meditation …

https://vimeo.com/424963923

 

Wir erkennen, dass uns die tradierte Art unseres Denkens immer weniger hilfreich ist, die neuen Probleme, Krisen und Transformationen einzuordnen, zu beschreiben und „angemessen“ darauf zu reagieren. Die Probleme sind keine vereinzelten, von anderen Problemen isolierte, sondern bilden ein systemisches Ganzes, wo alles mit allem zu tun hat. Die vom Kapitalozän in absichtsvoller Weise über den gesamten Globus formatierte Sprache sowie der Mangel an neuen Begriffen dieses formatierte Denken zu verlassen, rücken eine hoffnungsvolle neue Erzählung in weite Ferne.
Es gibt das x-te Wortspiel, das in Anlehnung an den Begriff Utopia mit -topia oder -topie endet. Und es gibt die großen, nicht erzählungstauglichen Begriffe zur Beschreibung unserer Situation wie Anthropozän, Pyrozän, Chtuluzän oder auch die falschen von gedungenen Klimaleugnern kreierten wie Klimawandel oder Klimakrise.
Unsere sehr wandlungsunfreudige Gesellschaft sucht in ihrer Orientierungslosigkeit nach Utopien für eine bessere Zukunft und verlegt sich dabei auf die nahe Vergangenheit, wo zwar auch nicht alles gut war, aber wo es einem schließlich doch ganz gut ging und das Jahr 2020 mit den Implikationen der Corona-Krise als „dieses leicht merkwürdige Jahr“ abgetan wird.
Oder wir wenden uns wieder den guten alten Utopien zu wie Utopia von Thomas Morus, Tommaso Campanella’s Sonnenstaat oder auch Aldous Huxley’s bemerkenswertem Roman Eiland aus dem Jahr 1962.
Doch all dies beschreibt uns keinen Ausweg und es gilt nach wie vor Buckminster Fuller’s Leitspruch „DO YOUR OWN THINKING“. Dabei kann es gut sein, dieses selber Denken nicht nur allein, sondern auch gemeinsam zu praktizieren, um der Überflutung mit Information, Desinformation und Fakenews etwas entgegenzusetzen und sich auf den Weg zu begeben Erkenntnis und Erfahrung zu fördern und sich einen Paradigmenwechsel als Gemeinschaft zu erarbeiten. Dazu wollen wir beispielsweise unseren Blick auf ein kleines gallisches Dorf lenken (oh nein, hier geht es nun mit dem Autor durch und außerdem handelt es sich hierbei auch um eine wohlbekannte „alte“ Erzählung, welche, hmm - möglicherweise einen guten Anknüpfungspunkt für den Aufbruch zu einer neuen Erzählung bietet) …

… wir müssen gar nicht in die Ferne schweifen, gibt es da doch dieses an immer wieder anderen Orten auftauchende unbeugsame kleine gallische Dorf, welches sich heuer u.a. in Gestalt der Gedankenausstellung CRITICAL ZONES – Horizonte einer neuen Erdpolitik in Karlsruhe im Zentrum für Kunst- und Medientechnologie manifestiert.
Diese Ausstellung ist ein kollektiver globaler Kraftakt und fußt auf dem unermüdlichen Wirken des Philosophen, Anthropologen und Wissenschaftssoziologen Bruno Latour, der sein Lebenswerk keiner geringeren Aufgabe widmet, als unseren Blickwinkel auf die „Welt“ und damit unser Verständnis, unsere Begrifflichkeiten und Erzählungen radikal zu verändern. Ein Fährmann, der dabei ist, unser Denken zu einem anderen Ufer zu übersetzen, welches für uns noch nicht in Sicht ist … ein ungewisses, sich konstant veränderndes Ufer, eine Landungszone. Schon auf dem Weg dorthin stehen wir in fortwährendem Kontakt mit den vielen anderen Bewohnern des kleinen gallischen Dorfes und mit Observatorien, die mittels immer differenzierterer Sensorien den Zustand des Patienten „Welt“ messen, wie wir es sonst von einem Kranken auf der Intensivstation kennen …
An dieser Stelle bricht meine Beschreibung ab, denn bereits die Begriffe „Welt“ oder „Kritische Zone“ bedürfen einiger Klärung. Es geht nicht darum die Dinge zu simplifizieren oder herunterzubrechen auf eine einfache Betriebsanleitung und wie gewohnt abnicken zu können.
Nein, die Ausstellung fordert vielmehr auf zu eigenem Tun und bietet dafür Links  an, z.B. auf die umfangreiche und sich ständig erweiternde Online-Ausstellung CRITICAL ZONES, um dort selbst Erkundungen zu unternehmen für ein Übersetzen zum terrestrischen Ufer..

Als weiterer guter Impulsgeber zum selbständigen und gemeinsamen Erforschen bietet sich auch die mit der geballten Energie der Online-Ausstellung neu ins Leben gerufene TERRESTRISCHE UNIVERSITÄT an, die von einer sehr anregenden und den Austausch unterstützenden mittlerweile über 1200 Mitglieder zählenden Telegrammgruppe begleitet wird und wo man auch auf Termine hingewiesen wird. Die Teilnahme ist frei und alle bereits stattgefunden Lectures und Präsentationen sind im Online-Archiv abrufbar. Auch steht ein Fragebogen zur Selbstbefragung zur Verfügung, den gemeinsamen Aufbruch zur „Utopie“ und die damit verbundenen Schwierigkeiten zu evozieren.

Last but not least empfiehlt es sich natürlich auch, sich auf der Webseite von Bruno Latour zu orientieren und sich mit dem diversen Schaffen, dem Rhizom und dem Netzwerk des Fährmanns bekannt zu machen.

Hoppla, und nochmal zurück zum Ausgangspunkt, den Utopien und den Auswirkungen der Corona-Krise …
„Die erste Lektion des Coronavirus ist auch die verblüffendste: Es hat sich gezeigt, dass es möglich ist, innerhalb weniger Wochen (überall auf der Welt und gleichzeitig) ein Wirtschaftssystem auszusetzen, von dem uns bisher gesagt wurde, dass es unmöglich verlangsamt oder gar umgestaltet werden könne“
(vgl. Wo landen nach der Pandemie? Denkanstöße von Bruno Latour)

Links:

Dots, Bubbles & Stars

Eine andere Art der Vernetzung schlägt Pomodoro Bolzano mit dem organischen Linkagent Dots, Bubbles & Stars vor, der zum Erkunden und sich Einlassen einlädt. Der neugierige Besucher kann „auf gut Glück“ seiner Eingebung folgen und eintauchen in ein Universum von aktiven Hubs, einzelnen Künstlern, Versuchslaboren, Archiven und anderen Ongoings.
Welcome!

Das Internetprojekt ist eine Arbeit von Pomodoro Bolzano.
Mit diesem Internetprojekt ging es bereits 2001 darum, das Netz und Netzwerke visuell verortbar und zugänglich zu machen. Diese ältere Version kann man auf der Seite über den button <<< way back ansteuern, jedoch existieren einige Links schon nicht mehr und sind bereits Geschichte
Die aktuelle Version Dots, Bubbles & Stars ist ein work-in-progress.

A-r00m

Das Ausstellungsprojekt "Green Star – Auf der Suche nach Utopia" wollte in  Kooperation mit verschiedenen Partnern aus der städtischen Kulturlandschaft utopische Konzepte vorstellen und in den aktuellen Diskurs einspeisen. Dazu waren Filme, ein Hörspiel und der Besuch des Botschafters der Freien Künstlerrepublik Uzupis geplant. Die Ausstellung in der Sigismundkapelle sollte zwischen diesen Satelliten als energetisches Zentrum und Observatorium dem Austausch von Gedanken und Ideen dienen.
A-r00m ist ein utopischer Ort, an dem man an den gesunden Menschenverstand glaubt, von den Freuden der Vergemeinschaftung von Bildung, Gütern und Wissen träumt und von einer „besseren“ nachhaltigen Welt. Der A-r00m konstituiert sich durch die teilnehmenden Menschen und sieht es darauf ab, möglichst viele agile Netzwerke, kulturelle Ermöglicher und Partizipanten als Akteure miteinzubinden. Es entstehen Synergien, die mit einem Themenfokus durch gemeinsame Koordination und einen transdisziplinären Ansatz einen sublimen Nährboden in die Stadtgesellschaft und darüber hinaus einspeisen können.

A-r00m ist ein Projekt von Max D. Well seit 2012. Die erste öffentliche Präsentation fand im Rahmen der Ausstellung Let’s Build That Brain im Degginger im Herbst 2019 statt.

Gestaltung der Seite: Kathrina Czech, vhs der Stadt Regensburg



Themen

Zum Künstler: Max D. Well

… konzeptionell arbeitender seismografischer Medienkünstler und 'Pataphysiker'. Weitere Betätigungsfelder: scouting, networking, consulting und curating verschiedener Formate im Kunst-, Medien- und Eventkontext. Nach den prägenden Londoner Jahren in den 1980ern und der intensiven Beschäftigung mit der Welt des Kinos und der zeitgenössischen Musik macht er 1990 mit seiner Familie Regensburg zum Lebensmittelpunkt. Dort wurde er Mitbegründer der Internationalen Regensburger Kurzfilmwoche und für einige Jahre ihr künstlerischer Leiter. Gleichzeitig gründete er mit Christian Wittkowsky die offene Medienkunstgruppe Pomodoro Bolzano. Seit den 2000er Jahren setzt er seinen künstlerischen Fokus auf wissensbasierte transdisziplinäre Forschung mit den Schwerpunkten Soziologie, Anthropologie, Naturwissenschaften und Technologie, um die Künste mit Bildung, Paradigmenwechsel, mixed reality und Zukunftsszenarien zu verbinden. In diese Zeiten fallen auch weitere Mitgründungen von Künstlergruppen wie Avatar Orchestra Metaverse (seit 2007), Compagnons de Route (2009) und ibubble-project (2018), die alle bis zum heutigen Tage aktiv sind.

Kontakt und Anmeldung

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Thon-Dittmer-Palais
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Tel.: 0941 507-2433
Fax: 0941 507-4439 

E-Mail: service.vhs@regensburg.de

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10.00 bis 13.00 Uhr und 14.00 bis 17.30 Uhr

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