100 Jahre Volkshochschule und Stadtbücherei - Zeitzeugengespräche

Geschichtsstunde mal anders

„,Machen Sie mit bei der Geschichtswerkstatt zum 100. Geburtstag von Stadtbücherei und VHS!' Der Kurs im VHS-Herbst-/Winterprogramm 2017/18 weckte sofort mein Interesse. In Archiven stöbern, Chroniken durchforsten oder Zeitzeugen interviewen...  ja, da mache ich mit.", so Barabra Zierer, die, "von Natur aus neugierig auf Menschen und ihren Erfahrungsschatz", sich im Rahmen der Geschichtswerkstatt für die „menschlichen Quellen“, die Zeitzeugen-Interviews, entschied. Barbara Zierer hat ihr Berufsweg nach dem Studium der Germanistik und Geschichte in die Unternehmenskommunikation eines Wirtschaftskonzerns geführt. Bis heute ist sie interessiert an allem, was mit Geschichte und Geschichten zu tun hat.
Ausgerüstet mit Fragen, Aufnahmegerät und viel Zeit traf sie schließlich überall auf offene Türen und freundliche Menschen, die bereit waren, mit ihr auf eine kleine Zeitreise zu gehen. Ihre Erzählungen geben Berufs- und Alltagserfahrungen aus fast fünf Jahrzehnten wieder und lassen die Geschichte von Stadtbücherei und Volkshochschule lebendig werden.

Aber hören Sie doch selbst!

Johanna Fischer, Mitarbeiterin der Stadtbücherei von 1972 bis 1975

Johanna Fischer, ehemalige Mitarbeiterin der Bücherei, erinnert sich an ihre Kindheit im Staudingerblock, wo sie aufgewachsen ist. Die Bücherei im sogenannten Staudingerblock in der Landshuter Straße war ab 1951 die erste Zweigstelle der Bücherei-Hauptstelle am Haidplatz. Für Johanna war es selbstverständlich, dass sie jeden Tag nach den Hausaufgaben in die Bücherei gegangen ist.

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Ein paar Jahre später ist Johanna Fischer selbst ein Teil des Büchereiteams und erzählt von ihrer täglichen Arbeit, die ihr viel Freude bereitet hat.

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Als ab 1957 das Deutsch-Amerikanische Institut zusammen mit der Bücherei in das sanierte Thon-Dittmer-Palais einzieht, befinden sich zur selben Zeit die deutsche Volksbücherei, eine amerikanische Bibliothek und eine deutsche Jugendbücherei im Bildungshaus Thon-Dittmer-Palais. Kurze Wege zwischen den einzelnen Bibliotheken machten auch fremdsprachige Bücher schnell erreichbar.
Im Deutsch-Amerikanischen Institut war ein eigener Bibliothekar „für die Bücher zuständig". Dieser „hat da alles gemacht für die Bücher, von der technischen Bearbeitung bis zum Ausleihen und Beraten“.

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Manfred Rothe, Leiter der Stadtbücherei von 1974 bis 1987

Führungen für Schulklassen gibt es in der Stadtbücherei Regensburg seit Mitte der 70er Jahre. „Klassenführungen, das war damals Neuland“, berichtet Manfred Rothe und erinnert sich an eine Klasse der Berufsschule Regensburg.

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Neben Führungen waren damals auch bereits verschiedene Veranstaltungen ein fester Bestandteil im Angebot der Stadtbücherei. So zum Beispiel die Abschlussveranstaltung des Lesewettbewerbs der Schulen oder Tagungen verschiedener Verbände. Manfred Rothe denkt zurück an eine Tagung des Fischereiverbandes im Vortragssaal des Thon-Dittmer-Palais.

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Die Aufgaben eines Bibliothekars sind vielfältig, damals wie heute. Ein offenes Ohr und wachsames Auge für Ratsuchende sind ein Aushängeschild für alle Literatur- und Medienbegeisterten und solche, die es werden wollen.

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Alexander Walter, Mitarbeiter der Bücherei ab 1973, Leiter der Stadtbücherei 1978 bis 2004

Die Einführung einer Musikbücherei war für die Regensburger Stadtbücherei ein besonderes Vorhaben, da es „solche Einrichtungen nur in München oder in Nürnberg im bayerischen Raum gegeben hat“ und so der Einzugsbereich von Musik-Interessierten bis in den Bayerischen Wald reichte. Schallplatten konnten direkt vor Ort in eigens dafür vorgesehenen Sesseln über Kopfhörer angehört werden. Alexander Walter denkt an die „riesengroße Schallplattensammlung“ in Regensburg zurück.

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Die Umstellung der Bücher-Verbuchung mittels Foto-Verbuchung auf die neue Methode der Strichcode-Verbuchung im Rahmen der Einführung der Bibliotheks-EDV 1995 hat Herr Walter gut in Erinnerung.

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Genauso wie Johanna Fischer, die die Nachmittage ihrer Kindheit in der Bücherei im Staudingerblock verbrachte, erzählt auch Alexander Walter von der Staudinger-Bücherei und ihrer Besonderheit: „Ein Novum, das in Deutschland um sich griff: die sogenannte Freihand-Bibliothek“, wo sich der Nutzer oder die Nutzerin erstmals „selbst, wie in einem Supermarkt bedienen konnte“ und die individuellen Bücherwünsche nach Belieben erfüllen konnte.

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Im „Kampf gegen Schmutz und Schund“ war es deutschen Büchereien ein Anliegen, die Bestände insbesondere für die Jugend-Abteilung sorgsam auszuwählen.

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Elisabeth Mair-Gummermann, Mitarbeiterin in der Stadtbücherei ab 1979, Leiterin der Stadtbücherei von 2008 bis 2018

Zum hundertjährigen Geburtstag der Stadtbücherei fragen wir Frau Mair-Gummermann, wie Bücherei vor 100 Jahren, also 1919 ausgesehen hat und wie sie in 100 Jahren aussehen wird.

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Dabei spielt auch die Frage nach der gesellschaftlichen Aufgabe, die Bibliotheken gleichsam erfüllen, eine wichtige Rolle. Klar ist, „Bücher machen Spaß“ und sollen für alle Menschen zugänglich sein. So zeigt sich die Regensburger Stadtbücherei nicht nur als offener Ort für alle in den verschiedenen Stadtteilen, sondern sie geht auf die Bürgerinnen und Bürger zu, indem sie in verschiedensten Veranstaltungen zeigt, was man mit Büchern alles machen kann.

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Als „dritter Ort“ öffnet sich so auch die Stadtbücherei Regensburg entsprechend als ein wichtiger und besonderer Ort in der Stadtgesellschaft, der allen Bürgerinnen und Bürgern zugänglich ist.

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Als langjährige Begleiterin der Stadtbücherei Regensburg erinnert sich Frau Mair-Gummermann an die vielen Neuerungen und Veränderungen an den verschiedenen Standorten der Stadtbücherei Regensburg.

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Peter Hofmarksrichter, Verwaltungsleiter der Volkshochschule von 1973/74 bis 1989

Bei der Frage nach seiner Anfangszeit an der Volkshochschule Regensburg denkt Peter Hofmarksrichter sofort an die „Programmplanung mit der Schreibmaschine“ zurück. Im Jahr 1973 gab es keinen Computer und das Programm der vhs entstand ganz ohne digitale Werkzeuge.

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Anders als heute entstand das Programm Anfang der 70er Jahre ohne hauptamtliche pädagogische Mitarbeitern. Dozenten haben sich schon damals gerne und in großer Zahl mit Kursideen gemeldet.

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Cornelia Wabra, Mitarbeiterin der Volkshochschule ab 1993, Leiterin der Volkshochschule ab 2005 und des Amtes für Weiterbildung von 2014 bis 2018

Cornelia Wabra kommt im Jahr 1993 zur Volkshochschule Regensburg und erinnert sich an eine „traditionelle“ Volkshochschule.

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Auch von Frau Wabra erfahren wir im Rückblick, wie die vhs ohne Computer aussah. Moderne Technik hält ab den 1990er Jahren Einzug bei der Volkshochschule: „Diese ganze Entwicklung ist damals losgegangen und die hat sehr viel verändert“.

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In Erinnerung an „eine andere Zeit als heute“ etablierte sich „Frau und Beruf“ und zog viele Nachfolgeprojekte, wie die Verleihung des Margarethe-Runtinger-Preises nach sich.

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Als Projektleiterin war sie für das Projekt „Frau und Beruf“ verantwortlich, aus dem später ein festes Programmangebot, eigens für Frauen, entstanden ist.

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Neben dem Projekt „Frau und Beruf“ gab es Anfang der 90er bereits ein vielfältiges Angebot in allen Programmbereichen, an die Cornelia Wabra sich gerne erinnert.

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Anfang der 90er Jahre finden die Kurse der Volkshochschule an verschiedenen Orten verteilt über die Stadt statt, was die Koordination und Erreichbarkeit für die Teilnehmenden manchmal nicht ganz einfach machte. Um alle Bürgerinnen und Bürgern zu erreichen, war es in den 1990ern die Tendenz der Volkshochschule zu schauen, wie mehr eigene Räume verwendet werden können.

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Im Laufe der Zeit wird das Programmangebot der Volkshochschule immer vielfältiger und facettenreicher. Es geht auch darum: „Wie erreichen wir alle Regensburger Bürgerinnen und Bürger?“

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Ein größeres Programmangebot, der Wandel der Zeit, sich verändernde Interessen und gesellschaftliche Schwerpunkte verlangen auch eine veränderte Kommunikation nach außen. So berichtet Cornelia Wabra, dass die Volkshochschule im Jahr 2000 ihr Programmheft grundlegend überarbeitet.

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Dr. Hermann Hage, Mitarbeiter der Volkshochschule ab 1986, Leiter der Volkshochschule ab 2000, Leiter des Amtes für Weiterbildung von 2004 bis 2014

Als Hermann Hage im Jahr 1986 zur Volkshochschule kommt, findet er eine Einrichtung vor, die sich „in allen Bereichen auf dem Expansionsweg“ befindet und ein gutes Ansehen bei den Regensburger Bürgerinnen und Bürgern genießt.

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Er erzählt von dem Bereich Deutsch als Fremdsprache, der ihm persönlich sehr am Herzen lag und dem beginnenden großen Interesse der Regensburger Bürgerinnen und Bürger an den verschiedenen Sprachkursen. Eine Begeisterung, die bis heute anhält.

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Ein zentrales Thema ab dem Jahr 2003 ist die Kombination von Volkshochschule und Bücherei in Regensburg. Als „absolutes Modellprojekt“ in ganz Bayern werden die zusammengefassten Institutionen zum bayernweiten Vorzeigeprojekt.

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„Eine ganz spannende Geschichte“ findet Dr. Hermann Hage die dezentralisierten Angebote von Volkshochschule und Stadtbücherei in den Regensburger Stadtteilen.

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Vielen herzlichen Dank...

...an alle Beteiligten, die uns an der Geschichte von vhs und Stadtbücherei, an persönlichen Erinnerungen und ihrem reichen Erfahrungsschatz teilhaben lassen.

...an Barbara Zierer, die sich neben einem Vollzeitjob die Zeit für diese Gespräche genommen hat und diese so sorgfältig vorbereitet und dokumentiert hat.

...und an Katharina Drummer, die Leiterin der Geschichtswerkstatt, die diese wertvollen Tondokumente aufbereitet und in einen Guss gebracht hat.



Themen

Auf Spurensuche mit der Geschichtswerkstatt

Erforscht und dokumentiert war die gemeinsame Geschichte der Volkshochschule und der Stadtbücherei bisher nur in Teilen. Eine Arbeit von Dr. Hermann Hage aus dem Jahr 1994 zeigt die Entwicklung der Volkshochschule seit der Gründung in der Weimarer Zeit bis Mitte der 90er Jahre auf. Zur Geschichte der Stadtbücherei gab es bislang keine Forschungen.
Daher rief die Volkshochschule, damals noch unter der Leitung von Cornelia Wabra, bereits im Herbst 2017 die Geschichtswerkstatt ins Leben: Regensburger Bürgerinnen und Bürger wurden aufgerufen, gemeinsam zu recherchieren, ihre Leidenschaft für Geschichte einzubringen, an der Entstehung einer Chronik mitzuwirken und so selbst ein Teil der Geschichte von Volkshochschule und Stadtbücherei zu werden.
Die Entstehungsgeschichte von Volkshochschule und Stadtbücherei ergründeten die Teilnehmenden anhand vielfältiger Quellen aus Archiven, privaten Dokumenten, Programmheften oder Veranstaltungsangeboten aus verschiedenen Jahrzehnten. Gespräche mit Zeitzeugen gaben teils ganz persönliche Eindrücke in die Geschichte und Entwicklung der beiden Institutionen.

Die Ergebnisse mündeten in die am 24. Juli erschienenen Publikation, die in der Stadtbücherei und am vhs Service-Schalter am Haidplatz erhältlich sind. Holen Sie sich Ihr persönliches Exemplar. Nur solange der Vorrat reicht.

Kontakt und Anmeldung

contact / registration

Volkshochschule der Stadt Regensburg
Thon-Dittmer-Palais
Haidplatz 8
93047 Regensburg

Tel.: 0941 507-2433
Fax: 0941 507-4439 

E-Mail: service.vhs@regensburg.de

Öffnungszeiten

opening hours

Thon-Dittmer-Palais, Haidplatz 8:

Montag bis Mittwoch monday to wednesday
10 bis 12 Uhr und 13.30 bis 16 Uhr 

Donnerstag thursday
geschlossen - closed

Freitag friday
10 bis 12 Uhr

BiC BildungsCenter im KÖWE, Dr.-Gessler-Str. 47, 1. OG (Raum A):

Donnerstag thursday
10 bis 13 Uhr und 14 bis 17.30 Uhr

 

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